Schule nach den Ferien

Anlässlich der Ferien nahmen Mitglieder des Arbeitskreises Schule von Pro Coesfeld gemeinsam mit Vertretern aus Vorstand und Fraktion die Situation benachteiligter Schülerinnen und Schüler in den Blick. Als Ergebnis der Beratungen legt die Wählergemeinschaft das folgende Arbeitspapier vor.

In den letzten Jahren wurde in Coesfeld über Schule häufig so geredet, als ginge es dabei nur um Schulbauten. In der Tat haben es Verwaltungsspitze und Groko-Mehrheit im Rat viele Jahre lang versäumt, unsere Schulgebäude rechtzeitig und hinreichend zu sanieren; hinzu kommt der unselige Alleingang des CDU-Bürgermeisters, der es widerspruchslos und ohne Beteiligung des Rates hingenommen hat, dass das Schulzentrum unter Denkmalschutz gestellt wurde. Nur so ist ein fast alternativloser, monströs teurer Sanierungsdruck entstanden. Aber es gibt trotzdem Wichtigeres!

Wir müssen uns wohl der Tatsache stellen, dass manche unserer Kinder und Jugendlichen in ihren Entwicklungsmöglichkeiten vom Corona-Lockdown stärker betroffen wurden, als wir das hinnehmen können.

Von vielen Bildungsfachleuten wird nämlich die Befürchtung geäußert, der Lockdown könne zur Vertiefung der bestehenden und sich seit einiger Zeit wieder verschärfenden Bildungs- und Chancenungleichheit führen (s. zuletzt „Bildungsbericht 2020“ des Bundes vom 24.6.). Die Lebens- und Lernbedingungen zu Hause und die Kompetenzen im Bereich des selbstständigen Lernens sind sehr unterschiedlich verteilt. Vor allem der Übergang von den Grundschulen zu den weiterführenden Schulen ist dabei eine sensible Phase in einer Schülerbiografie.

Hierzu hat beispielsweise die Friedrich-Ebert-Stiftung Empfehlungen einer Expertenkommission vorgelegt („Schule in Zeiten der Pandemie“ vom 28.5.). Pro Coesfeld schlägt vor, im Herbst in Abstimmung mit der Bezirksregierung (hier ist übrigens das Projekt „Ais“ – Anschluss individuell schaffen“ angedockt, an dem leider keine Coesfelder Schule teilnimmt) eine erste Bestandsaufnahme über die Situation der bildungsbenachteiligten Kinder und Jugendlichen zu erarbeiten. Dazu sollte ein öffentliches Forum für Jugendliche, Sozialarbeiter, Eltern und (Schul-)Pädagogen veranstaltet werden. So würden auch ganzheitliche Aspekte wie Familienklima und andere Lebensumstände zur Sprache kommen.

Sollte sich dabei zeigen, dass die Befürchtungen auch für Coesfeld zutreffen, müssten unsere Schulen durch Stadt und Stadtgesellschaft unterstützt werden. Es gilt, die Misserfolgsketten möglichst früh zu unterbrechen. Das bürgerschaftliche Engagement hat bereits bei der sog. Flüchtlingskrise Hervorragendes geleistet, es gibt Lern- und Lesepaten etc. Die Stadt selbst hat Erfahrungen durch die (Schul-)Sozialarbeit und im Jugendhaus. Weitere kompensatorische Angebote könnten eventuell von außerschulischen Bildungsanbietern eingeholt werden.

Auf Düsseldorf zu warten, anstatt selbst für die Familien und vor allem die Mütter und Alleinerziehenden solidarisch vor Ort tätig zu werden, hält Pro Coesfeld jedenfalls für eine schlechte Option.

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