Freitag, 25. Mai 2018
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Leserbrief zur Berichterstattung über die Bürgeranträge zum Liebfrauenpark

Angesichts der Wortmeldungen zu den Plänen für Liebfrauenpark und Umgebung gewinnt man den Eindruck, wieder einmal stünden die Coesfelder Bürger einer uneinsichtigen Verwaltung und einer diskussionsunwilligen Ratsmehrheit gegenüber. Eine solche Sicht wird den Tatsachen in diesem Fall aber kaum gerecht. Denn am Konzept zur „Urbanen Berkel" wird inzwischen schon seit fast drei Jahren gearbeitet, und zwar in einem Prozess, der die Coesfelder Bürger auf eine Weise einbezogen hat, die hier keineswegs selbstverständlich ist.

Die Grundsatzentscheidung für das Thema „Berkel" fiel in einer Auftaktveranstaltung mit großer Bürgerbeteiligung; die weitere Projektentwicklung durch Fachplaner wurde von mehreren Ideenwerkstätten begleitet, zu denen ausdrücklich alle Coesfelder eingeladen waren. Wenn sich jetzt – zu einem sehr späten Zeitpunkt – Widerspruch gegen Teile des erarbeiteten Konzepts regt, ist das trotzdem legitim. Die Konfliktlinie verläuft aber eben nicht zwischen Bürgern und Rathaus, sondern innerhalb der Bürgerschaft selbst. Und wo in diesem Konflikt die Mehrheit steht, ist momentan schwer einzuschätzen.
Genau deshalb aber brachten die 74 Bürgeranträge Coesfelds Ratsvertreter in ein Dilemma: Die vielen Anträge und über 1000 Unterschriften sind ein sehr deutlicher Einspruch, den niemand ignorieren kann. Hätten Bau- und Hauptausschuss aber allen Forderungen ohne weiteres nachgegeben, hätten die Ratsmitglieder sich damit gegen jene Bürger gestellt, die das Projekt schon seit Jahren begleiten. Der Kompromissvorschlag von Pro Coesfeld (der übrigens aus einem Fraktionsgespräch mit den „Baumfreunden" hervorging) bot deshalb einen gangbaren Ausweg: Die Planungen werden noch einmal überarbeitet und erneut zur Abstimmung gestellt. Eine Niederlage der „Baumfreunde" ist das wahrhaftig nicht; und um einzuschätzen, ob ein Kompromiss gut oder schlecht ist, muss man das Ergebnis ja zunächst einmal abwarten.
Übrigens bleibt den Baumfreunden durchaus die Möglichkeit, den Weg eines Bürgerbegehrens hin zum Bürgerentscheid einzuschlagen. Das erfordert Einsatz und Engagement, führt aber zu einer sehr demokratischen Beilegung des Konflikts. Allerdings kann am Ende auch eine Niederlage stehen – und die Frage, ob ein Kompromiss nicht vorteilhafter gewesen wäre.

Dr. Thomas Pago
Gaupel 30
48653 Coesfeld

 

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