Wie in der AZ zu lesen war, möchte die Westfleich AG (Firmensitz in Münster) die Schlachtanlage in Coesfeld deutlich erweitern. Die Beratungen hinsichtlich der städtischen Genehmigungen haben gerade erst begonnen.

In der letzten Fraktionssitzung von Pro Coesfeld wurde sehr kontrovers über das Thema diskutiert. Die Frage nach den Kapazitätsgrenzen des Abwasserwerks spielte dabei ebenso eine Rolle wie die Sorgen um den Grundwasserspiegel, der ohnehin schon lange unter den erheblichen Wasserentnahmen des Unternehmens zu leiden scheint.

Ein wichtiger Aspekt, der bei politischen Entscheidungen über Unternehmen stets eine Rolle spiele, seien Anzahl und Qualität von Arbeitsplätzen. Dieser Punkt, so ein Diskussionsbeitrag, sei hier aber zu vernachlässigen, da es sich zum großen Teil um sehr prekäre Arbeitsverhältnisse handle; für den Coesfelder Arbeitsmarkt spiele Westfleisch keine nennenswerte Rolle.

Überhaupt sei Westfleisch ein stark exportorientiertes Unternehmen, was aber Fragen aufwerfe: Müsse man eigentlich hier im Münsterland Boden-, Luft- und Grundwasserqualität aufs Spiel setzen, um immer mehr Fleisch für den internationalen Bedarf zu produzieren? Immerhin werde derzeit auf vielen Ebenen intensiv über Fleischkonsum und Massentierhaltung gestritten. Die Pro Coesfelder fühlten sich in dieser Debatte der bäuerlichen Landwirtschaft verbunden, merkten aber kritisch an, dass eine kontinuierliche Steigerung des Viehbestands mit langfristigen Folgen für die Trinkwasserqualität auf Dauer wohl nicht mehr durchsetzbar sei.

Im Zusammenhang mit einer Erweiterung von Westfleisch stellten die Fraktionsmitglieder schließlich auch noch ganz praktische Fragen: Wie verhält es sich mit dem Parkraum? In welchem Ausmaß werden die Anlieger durch die zu erwartende Zunahme des Anliefer- und Abfuhrverkehrs belastet? Verhindern modernere Filter wirklich eine Zunahme der Geruchsbelästigungen? Und schließlich: Was bringt der Ausbau von Westfleisch eigentlich für Coesfeld?

Am Ende der Debatte blieben Fragen und Zweifel – und eine erste allgemeine Einschätzung: Früher habe man sich bei Unternehmen, die eine wichtige Rolle für die Versorgung der Region mit Lebensmitteln spielten, mit kritischen Anmerkungen eher zurückgehalten. Das sei in Zeiten einer global vernetzten Wirtschaft aber kaum noch angebracht; heute müsse man nüchtern Nutzen und Schaden abwägen und nach zeitgemäßen Kriterien entscheiden.